Handwerk

Das Produkt wird nicht besser, wenn du deinen Namen tanzt

Ist es nicht egal, wohin wir nicht gehen? Die Antwort ist nein.

Bergpredigt eines als Engel verkleideten Dämons mit Rocker und Biker als Zuschauer

Wäre es nicht besser, wir wären nicht in der Besten aller denkbaren Welten?

Ach, waren das noch Zeiten, als wir glaubten, die Programmierer – alles Männer – seien alles Soziopathen, die nur Bits und Bytes verstehen, im dunkeln Keller arbeiten, wo man die Hautunreinheiten im Gesicht nicht sieht und auch nicht Le Bauarbeiter Décolleté. Diese blassen Fabelwesen, die sich von Kartoffelchips und Pizza ernähren, die nur zu Nicht-Bürozeiten erreichbar sind und komplett unfähig sind, mit normalen Menschen zu kommunizieren, geschweige denn mit einem „Management“. Man muss sie leiten, die emotional Defizitären, man muss sie anweisen und führen und es braucht eine psychoanalytisch geschulte Rolle mit MBA, die die Sprachen der zwei unvereinbaren Welten bidirektional übersetzt.

Einmal abgesehen davon, dass man keine Berufsgattung als Ganzes in eine Schublade von seelischen Eigenheiten stecken kann… Davon auch einmal abgesehen, dass sich die Kategorien und Fallbeispiele spätestens seit der Replikationskrise (siehe Replication crisis ) als nichtig erwiesen: Was hat das nun mit der Waldorf Warcraft zu tun?

 Ein als Engel verkleideten Dämons am Ausruhen auf einem Hügel.

Moderne Arbeitsweisen für das Handwerk wurden von genau diesen Menschen eingeführt, mit der einzigen Absicht, selber besser arbeiten zu können und zwar so, dass man die Arbeit auch präsentieren kann und Betroffene einbeziehen und nicht die Meinung vorherrschen soll „die machen eh nur, was sie wollen“. Zu keinem Zeitpunkt war anzuzweifeln, dass ausgerechnet die hochgradig Geschulten eines der schwierigsten Handwerke ergebnis- und kundenorientiert arbeiten.

Was aber passiert damit, erst unbemerkt und dann wie von alleine? Die Gattung verschafft sich einen Vorteil. Einen Vorteil, den bisher nur Grossgrundbesitzer hatten: Ressourcen. Seltene Ressourcen. Die Anzahl der Köpfe, die wertschöpfende Arbeit verrichten können, wird kleiner. Die Anzahl der Leute, denen das zu schwierig ist, wächst.

Das Phänomen lässt sich auch in anderen Kontexten beobachten. Beispiel: Wenn ich die Physik nicht verstehe, so muss es an der Physik liegen. Auf keinen Fall soll mein Unvermögen zu Gefühlen der Minderwertigkeit führen. Also erfinde ich eine Welt, wo ich selber am Besten Bescheid weiss, ich spüre doch, dass es noch etwas anderes geben muss.

So entsteht die neue Dummheit. Deswegen ist die Erde flach, innen hohl und sowieso leben wir in einer Matrix. Wie kann man das nicht sehen, man sieht es doch überall. Ich gebe einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Ach, war das schön, als wir noch glaubten, das Problem sei der mangelnde Zugriff auf Information. Fatale Fehleinschätzung der angeblichen Aufklärer. Aber man kann ja nur lernen. Leider kann man auch das falsche Lernen.

Es begann also zurückzukehren, das Knechten dieses vermeintlichen Aufstands des Handwerks. Ganz einfach mit Lippenbekenntnissen. Ja, fehlschlagende Experimente sind die Grundlage innovativer Arbeit. Ja, Schätzungen sind nicht genau. Ja, heisse späte Änderungen willkommen. Aber: Du musst dich dem Ziel commiten, du Underling. Lustig. Wenn es nicht zum Weinen wäre.

Klammer zu. Den meisten Trittbrettfahrern ist damit noch nicht gedient. Was also tut der Mikroökonom und selbst ernannter Mental Trainer? Sie sagt: Dein Gehirn ist wie ein Muskel, es muss richtig trainiert werden. Du arbeitest falsch, dein Gehirn ist falsch, du bist falsch. Es klingt zwar anders, wenn man es als „du hast nicht das richtige Mindset“ formuliert, aber bedeutet leider genau das. Da bin ich jetzt aber nicht ok (-:

È sempre il bue che dà del cornuto all’asino

…wie meine Mutter so schön zu sagen pflegte.

Das Gehirn ist kein Muskel. Das kann man übrigens nachlesen. Es mag sein, dass man Autosuggestion braucht, um den Körper zu überlisten, übermenschliche Leistung zu erbringen. Um besser zu sein, als die anderen Zirkusartisten. Um 200m in 19 Sekunden zu laufen, muss man dem Körper sagen, dass er den unertäglichen Schmerz gut finden soll. Jedoch und herrje: Diese Perversion bringt am Ende eigentlich nur dem Käser im Circvs Maximvs etwas.

Brot und Spiele sind kein Handwerk.

Soll doch der Bär steppen. Was hat die Welt davon, wenn ein Hochleistungssportler für eine Flagge alle anderen schlägt? Showing colours? Und wenn diese Rezepte funktionieren, warum sind dann nicht alle Sportler besser als alle anderen?

Sich selbst muss das Gehirn aber nun mal nicht trainieren. Was das Gehirn trainieren kann, ist die Fertigkeit, das Handwerk selbst zu verrichten, nicht zu lernen, wie man lernt. Das Gehirn ist dabei schon sehr effizient und braucht sicher nicht Meditation. Es ist allen selbst überlassen, ob sie das tun, wenn’s sche mocht, aber die Arbeit und das Team dürfen sich daran nicht ausrichten.

Es braucht niemanden, der den Leuten beibringt, wie man Leuten etwas beibringt, solange das Etwas gar nicht der Value ist.

Anders, einfach und salopp gesagt: Nur weil 90% des Preises von Motoren Kraftstoff aus Abgaben besteht, heisst das nicht, dass das Produkt auch ohne Kraftstoff existieren kann und man es selbst herstellt oder herstellen könnte.

Yoga ist nicht agil, es macht nur gelenkig (-:

Auftellungstechniken aus der deutschen Vorkriegszeit machen weder das Team noch das Handwerk besser.

Wenn tanzen das Produkt besser macht, ist Tanzen das Produkt.

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Autor

Danilo Biella, Agile & Quality Professional

Agile makes no compromise on quality.

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