Handwerk
Methoden ersetzen kein Handwerk
Wäre es nicht besser, wir wären nicht in der besten aller denkbaren Welten?
Es gab eine Zeit, in der Programmierer oft sehr einseitig wahrgenommen wurden. Man stellte sie sich als Menschen vor, die vor allem technisch denken, zurückgezogen arbeiten und wenig Bezug zu anderen Bereichen haben. Daraus entstand die Vorstellung, dass sie geführt und übersetzt werden müssten, damit Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen gelingt.
Unabhängig davon, dass solche Verallgemeinerungen selten zutreffen, haben sich viele dieser Annahmen im Laufe der Zeit als wenig belastbar erwiesen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich diese Bilder auf unsere heutige Arbeitsweise ausgewirkt haben.
Moderne Arbeitsweisen im Handwerk wurden massgeblich von genau diesen Fachleuten geprägt. Ihr Ziel war es, die eigene Arbeit transparenter zu machen, besser zu strukturieren und stärker auf Ergebnisse sowie auf die Bedürfnisse der Beteiligten auszurichten. Dabei ging es auch darum, Vertrauen zu schaffen und die Zusammenarbeit zu verbessern.
Mit der Zeit entstand daraus jedoch eine neue Dynamik. Bestimmte Fähigkeiten wurden knapper und damit wertvoller. Die Zahl der Menschen, die komplexe und wertschöpfende Aufgaben übernehmen können, ist begrenzt, während gleichzeitig viele vor der zunehmenden Komplexität zurückschrecken. Ein ähnliches Muster lässt sich auch in anderen Bereichen beobachten. Wenn etwas schwer verständlich ist, entsteht schnell die Versuchung, die Schwierigkeit dem Thema selbst zuzuschreiben, statt sich mit den eigenen Grenzen auseinanderzusetzen. Daraus können vereinfachte Erklärungen entstehen, die zwar Orientierung bieten, aber der Komplexität nicht gerecht werden.
Früher ging man oft davon aus, dass fehlender Zugang zu Informationen das Hauptproblem sei. Heute zeigt sich, dass Informationen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, wie wir sie einordnen und nutzen. In diesem Zusammenhang haben sich auch neue Formen der Steuerung entwickelt. Häufig wird betont, dass Experimente wichtig sind, dass Schätzungen ungenau sein dürfen und dass Veränderungen willkommen sind. Gleichzeitig bleibt jedoch der Anspruch bestehen, klare Ziele verbindlich zu erreichen. Dieses Spannungsfeld ist nicht immer einfach aufzulösen. Darüber hinaus gewinnen Ansätze an Bedeutung, die sich mit persönlicher Entwicklung und Denkweisen beschäftigen. Dabei wird gelegentlich die Vorstellung vermittelt, dass Leistungsfähigkeit vor allem durch die richtige innere Haltung entsteht. Diese Sichtweise kann hilfreich sein, greift jedoch zu kurz, wenn sie die fachliche Arbeit selbst in den Hintergrund stellt.
Das Gehirn lässt sich nicht wie ein Muskel trainieren. Es entwickelt sich vor allem durch die praktische Anwendung und durch Erfahrung im jeweiligen Handwerk. Methoden zur Selbstreflexion oder Entspannung können unterstützend wirken, sollten jedoch nicht zum zentralen Massstab für die Qualität der Arbeit werden. Entscheidend bleibt, dass der Fokus auf dem eigentlichen Wert liegt, den eine Tätigkeit schafft. Es geht darum, Fähigkeiten aufzubauen und anzuwenden, nicht darum, Prozesse um ihrer selbst willen zu optimieren.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies: Auch wenn ein grosser Teil eines Preises aus Nebenkosten besteht, bleibt das eigentliche Produkt unverzichtbar. Ohne die grundlegende Leistung kann kein Mehrwert entstehen. Bewegung, Achtsamkeit oder andere ergänzende Methoden können sinnvoll sein, solange sie die Arbeit unterstützen und nicht ersetzen. Sie tragen jedoch nicht automatisch zur Verbesserung des Produkts bei.
Wenn eine Aktivität selbst zum zentralen Bestandteil der Leistung wird, dann ist sie Teil des Produkts. Andernfalls bleibt sie eine Ergänzung.
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Autor
Danilo Biella, Agile & Quality Professional
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